Silvias Geschichte beginnt in Österreich...


Silvia lebt seit langer Zeit in Brasilien. Sie unterrichtet Deutsch, Französisch, Portugiesisch und

Englisch. Ich habe sie über die Webseite de.islcollective.com kennen gelernt, wo sie ihre

Arbeitsblätter veröffentlicht. Hier sind einige Beispiele:





1. Ratschläge geben hier herunterladen

2. Ein Krimi hier herunterladen

3. Sätze mit "wenn" hier herunterladen


Ihre Geschichte:

Ich heiße Silvia und wurde 1944 in Wien geboren, also am Ende des 2. Weltkrieges. Ich kann mich natürlich nicht an die Kriegszeit erinnern, aber doch an einige Szenen aus der Nachkriegszeit.
Wien war damals in 4 Sektoren geteilt, die von den Amerikanern, Franzosen, Engländern und Russen besetzt waren. Wir wohnten im russischen Sektor und ich erinnere mich, dass mein Vater mir immer Angst eingejagt hat. "Die Russen stehlen, sie morden, sie wollen uns beherrschen" usw. Dabei waren die jungen Soldaten doch recht nett. Sie durften zwar mit niemandem sprechen (sie konnten es ja auch gar nicht, weil sie nicht Deutsch sprachen), lächelten aber freundlich, wenn man sie kreuzte. Oft mussten sie in der Nacht marschieren und singen. Ich erinnere mich an die Jeeps, die mit den vier Nationen patrouillierten (auch ohne zu sprechen) und dass man Marken brauchte, wenn man etwas kaufen wollte.



Ich glaube, es herrschte groβe Spannung, aber das weiβ ich eher von den Geschichten, die meine Eltern erzählt haben, als aus eigenen Erinnerungen.
Ich habe dann die Volksschule besucht und nachher das Realgymnasium für Mädchen. Ja, zu meiner Zeit gab es noch keine gemischte Klassen.


Ich war eine gute Schülerin in Sprachen, aber eine totale Niete in Mathematik und Physik. Die meisten unsere Lehrerinnen waren autoritär, ledig und streng. Wir waren meistens brav, da ein "Kampf" mit der Autorität immer schlecht für uns Schüler ausging. Wenn ein Lehrer die Eltern rufen lieβ, konnte man sich schon seine Strafe vorstellen. Die Eltern waren nie auf unserer Seite, gaben immer den Lehrern recht.


Dann kam endlich die Matura (das Abitur), ich kam durch und fuhr dann auf 3 Monate nach England, um mein Englisch zu trainieren.
Eigentlich wollte ich Apothekerin werde,  (heute weiβ ich wirklich nicht mehr warum; vielleicht weil ich meine Chemielehrerin mochte) aber Mutti hat beschlossen, dass ich Dolmetscherin werden sollte, um in der UNO arbeiten zu können. Da man Mutti nicht widersprechen konnte (sie gewann immer), habe ich also einen Dolmetscherkurs an der Wiener Universität begonnen.


Schon nach ein paar Wochen habe ich bemerkt, dass ich nicht Dolmetscherin werden wollte, aber da habe ich gehört, dass ich zwei Semester an der Sorbonne in Paris machen könnte und dass dieser Kurs für mein Curriculum zählen würde. Damit konnte ich meine Eltern überzeugen und bin also nach Paris abgefahren um un " Cours de Civilisation" zu machen. Zum ersten Mal war ich unabhängig und allein. Ich habe als "Au Pair" gearbeitet und wurde von der Dame, für die ich gearbeitet habe recht schön ausgenutzt.
 

In den Ferien fuhr ich nach Wien zurück und arbeitete bei einem Kongress für Neurologie. Dort habe ich einen netten Brasilianer kennen gelernt, der mit seinem Vater zum Kongress gekommen war. Wir haben uns unterhalten und haben herausgefunden, dass er auch in Paris studierte.
Nach den Ferien haben wir uns in Paris getroffen und wurden Freunde.
Aber mein 2. Semester ging zu Ende und ich musste zurück nach Wien zum Dolmetscherstudium. Das war eine Katastrophe. Wieder zu Hause, glaubte Mutti sie könne weiter mein Leben bestimmen. Zu dieser Zeit wusste ich genau, dass ich mein Studium nicht beenden würde.
 

In de nächsten Ferien bin ich nach Paris gefahren, um dort in den Ferien in einer Bank zu arbeiten, schon mit der Absicht, zu bleiben. Ich wusste nur noch nicht wie.
Ich immatrikulierte in der Sorbonne, diesmal als normale Studentin, in Soziologie.
Als ich meinen Eltern meine Absicht mitteilte, brach ein Gewitter aus. Sie waren am nächsten Tag in Paris, um mich abzuholen. Ich war aber schon groβjährig und blieb fest bei meinem Vorhaben. Mein Vater sagte, dass er mir keinen Groschen mehr geben würde, und alles, was Eltern eben so sagen.


Er hat zwar seine Drohung zurück genommen, aber dann habe ich beschlossen, kein Geld von ihm anzunehmen, damit er mir später nicht sagen könnte:" ich habe dich in Paris erhalten".
Ich habe au pair gewohnt (diesmal habe ich Deutschstunden für das Zimmer gegeben), habe oft kleine Arbeiten gemacht.


Zu dieser Zeit, war es recht billig zu studieren. Die Universität war gratis, es gab viele billige Mensa und die Metrokarte für Studenten war auch billig. Ich hatte zwar keinen Luxus, konnte mir viele Dinge nicht leisten, war aber glücklich.
Zu dieser Zeit habe ich die Freuden des Studierens entdeckt. Ich war ein Mädchen aus einer kleinbürgerlichen, reaktionären Familie, die nichts kannte, als das was ihre Eltern ihr gesagt hatten. 


Jetzt war ich in Paris, wo Leute aus der ganzen Welt studierten, wo die Lehrer verschiedene Richtungen diskutierten. Ich sah, dass die Kommunisten  nicht mehr Kinder "aβen" als andere Leute, kurz, mein Studium hat meinen Horizont erweitert. Auch, dass ich 1968, bei der groβen Studentenbewegung, die am Ende zum Abdank de Gaulles geführt hat, hat natürlich dazu beigetragen. 


Ich war noch immer mit meinem brasilianischen Freund zusammen und wir haben beschlossen, zu heiraten, was wir in Wien, 1969 gemacht haben.
Nach dem Studium bin ich also mit einem Diplom für Soziologie nach Brasilien gefahren. Aber ach, hier gab es eine Diktatur und Soziologen waren nicht gefragt.
Da mein Mann hier viele wichtige Leute kannte, fanden wir Arbeit in einem Zeitschriftenverlag
" Abril Cultural", der unter anderem Kulturhefte herausgab. Dort arbeitete ich als Textforscherin für verschiedene Zeitschriften.
Nach zwei Jahren wurde diese Branche des Verlags geschlossen.
 

Dann habe ich beschlossen, endlich meine Sprachkenntnisse auszunützen und habe begonnen in einer Sprachschule zu arbeiten. Ich unterrichtete Deutsch und Französisch

 

Dann hat mich eine private Mittelschule gerufen, um Französisch zu unterrichten.
Endlich aber beschloss ich, nur mehr als Privatlehrerin zu arbeiten. Ich konnte da mein eigenes Material herstellen und arbeiten, wie ich will und genau so, wie es jeder Schüler braucht.
Ich habe z.B. eine Kriminalgeschichte in Französisch geschrieben, die ich mit Teens mache. Sie mögen das sehr.


Leider ist der Sprachunterricht in den Schulen (sogar in den Privatschulen) sehr schlecht und wenn der Schüler die Sprache wirklich sprechen möchte, muss er in eine gute Sprachschule gehen (wie Goethe Institut, Alumni oder Alliance Française) oder einen Privatlehrer haben.


Ich helfe auch Kindern, die Probleme mit anderen Fächern haben. Natürlich nicht Mathe oder Physik.
Die staatlichen Schulen hier sind sehr schlecht und die Mittelklasse geht in Privatschulen.



Jetzt bin ich schon eine alte Dame, aber es macht mir noch immer großen Spaβ, Material zu erfinden und Sprachunterricht zu geben.



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